17.07.23 Berlin - Wien
Dass das Land Österreich, wenn man seinen Umriss mal kopfüber betrachtet, aussieht wie ein dämlich grinsender Ottifant, fiel Oscar direkt im Nachtzug nach Wien auf.
In eben diesem Nachtzug richteten wir uns gestern gegen 18:30 gemütlich ein, rollten in Charlottenburg los, fuhren über Polen in die Nacht, wurden in unserem Waggon in Tschechien und der Slowakei mal hierhin rangiert, mal dortdran angekoppelt und heute um sieben waren wir tatsächlich in Wien.
Eine Nacht im Zug ist natürlich schon ein erstes Reise-Highlight. Schläft man jetzt mit dem Kopf am Fenster, um nachts notfalls in die dunkle Slowakei starren zu können oder doch besser unter der Lampe, um lesen zu können? Der Vater jedenfalls dachte sich nach ein paar Seiten der Lektüre, dass das vorbeirauschende Mitteleuropa der eh viel zu dunklen Lampe vorzuziehen sei und richtete seinen Körper in der etwa 50cm hohen Schlafkoje unter Zuhilfenahme kompliziertester Akrobatik komplett neu aus.
In Wien geht man früh morgens am besten auf den Naschmarkt. Je früher desto besser, flötete der Reiseführer. Auf dem Naschmarkt angekommen, betrachteten wir aber vor allem leere Tische und verriegelte Läden, nur hier und da mal ein paar Nüsse oder Gewürze. Der Rest vom Fest lag noch in den Federn...
Nach einem kurzen Familien-Picknick an der Donau ging es zur Stadtführung. Anders als bei unseren letzten Städtetrips, sollte diese Tour auf deutsch stattfinden. Und wie: Der Herr, der uns durch Wien und viel Joseph und Sisi führte, war leider "nur aus Saarbrücken" und hatte auch nach 20 Jahren Wien nur ganz entfernt eine österreichische Färbung in seiner Sprache.
Dass die Kombination "Saarbrücker führt Berliner durch Wien" eventuell die drei unfreundlichsten Gegenden des deutschsprachigen Raumes vereint und die Führung vielleicht deshalb so tadellos funktionierte, traute sich die Frau des Hauses erst im geschützten familiären Rahmen anzusprechen. Als Berliner ist es ja nicht ganz leicht, Unfreundlichkeit zu erkennen - die Wiener aber scheinen doch sehr viel netter und höflicher zu sein als ihr Ruf.
Am frühen Abend gingen wir getrennter Wege: Der Vater schaute sich eine an sich unbedeutende Straße an, die aber in einem wunderbaren Roman etwa 150mal erwähnt wird, die Mutter schaute sich die Nationalbibliothek an, die Tochter eine Shopping-Mall und den Stadtpark und der Sohn schaute sich unsere Ferienwohnung an.
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